Home  |  Wir über uns  |  Reiseplaner  |  Regenwald Länder  |  Reisearchiv  |  Regenwaldbewohner  |   Shop  |  Kontakt  |  Links
Reisearchiv
 

Costa Rica 2003

  Corcovado

 

 

22. - 26.Tag

Freitag, 7.11.2003

Nachdem am gestrigen Abend ein gewaltiger Tropensturm über Esterillos niederging, hat sich heute Morgen die Wetterlage wieder beruhigt. Etwa um 9.00 Uhr fahren wir weiter in den Süden, zur Osa Halbinsel. Die gut vierstündige Fahrt führt uns durch riesige Palmen-Plantagen. Ab und zu folgt eine Raffinerie, wo die Palmfrüchte zu Oel verarbeitet werden. Der Süden des Landes ist auch wesentlich ärmer als der Norden. Entsprechend sind hier auch die Behausungen dürftiger und die Strassen schlechter.

Palmen-Plantagchen säumen die Strasse
Ein Kiosk am Strassenrand

Am frühen Nachmittag treffen wir in der Suital Lodge ein. Bereits letztes Jahr haben wir hier eine schöne Zeit verbrach und es gibt ein fröhliches Wiedersehen mit den Besitzern der Anlage.

Unsere Unterkunft

Den Rest des Tages nehmen wir`s gemütlich. Schliesslich wollen wir Morgen ein anstrengendes und abenteuerliches Unterfangen starten, die Durchwanderung des Corcovado Nationalparks.

Samstag, 8.11.2003

Bereits um 5.30 Uhr gibt`s heute Frühstück. Anschliessend fährt uns Carlos nach La Palma, wo unser Guide Aider auf uns wartet. Mit Aider haben wir das Glück, einen sympathischen, sachkundigen Expeditionsleiter kennen zu lernen, der für unser dreitägiges Trekking eine grosse Bereicherung sein wird. Los geht es nun auf dem Anhänger eines Traktors. Die ersten zwei Stunden werden wir mit einem "gemütlichen" Gefährt an den Rand des Nationalparks gezogen. Dabei werden etliche Flussläufe durchquert...

Da kommt Freude auf: unser Taxi...
Eine der vielen Flussdurchquerungen.

Nach dieser abenteuerlichen Fahrt geht es nun zu Fuss weiter. Die ersten 3 Kilometer führen uns, meist steil aufwärts, zu Los Patos, der ersten biologischen Station im Park. Unterwegs entdeckt René eine unter Laub versteckte Schlange. Behutsam entfernen wir das Laub um zu sehen, um welche Art es sich handelt. Es ist eine ungiftige Natter, eine "Rhadinaea" welche sich vorwiegend von Insekten und Amphibien ernährt.

Oben: Schon bald entdecken wir die erste Schlange

links: Aider macht uns den Weg frei

Es ist bereits 10.00 Uhr, als wir die biologische Station verlassen und 20 km unter die Füsse nehmen, welche uns mitten durch das unwirtliche Gelände des 55 000 ha grossen Regenwaldes führen. Der erste Teil der Wanderung geht auf- und ab. Aider muss zwischendurch auch die Machete zücken, um uns Durchgang zu verschaffen. Bald schon werden wir zu beiden Seiten von Klammeraffen beobachtet.

Klammeraffen beim beobachten...
...und beim Fressen

Nach etwa 45 Minuten fängt es heftig zu Regnen an. Was für den Wald und die Tiere ein Genuss ist, wird für uns zur Qual...

Plötzlich schlängelt sich eine Schlange zwischen uns hindurch. Wir entdecken sie alle gleichzeitig und bleiben ruhig stehen. Es handelt sich um eine hochgiftige Lanzenotter welche sofort den nächsten Baum aufsucht, wo sie sich in Abwehrstellung bringt.

oben: Die Lanzenotter gehört zu den weltweit gefährlichsten Giftschlangen.

links: Ein enger Pfad führt uns über 20 km durch dichten Dschungel.

Die nächsten Stunden wandern wir durch Matsch, durchqueren etliche Flüsse und Bäche, schwitzen was das Zeug hält und werden durch niederprasselnden Regen durchnässt.

Es wird bereits langsam dunkel, als wir um 17.15 Uhr die biologische Station La Sirena erreichen. Eine riesige Anstrengung liegt hinter uns und wir sind froh, uns nun eine Nacht ausruhen zu können. Da nehmen wir auch die schmutzige Unterkunft mit den schäbigen, faulenden Matratzen in Kauf.

Die biologische Station La Sirena

Sonntag, 9 .11.2003

Am Morgen begehen wir einen Trail, der uns in die Umgebung der Station führt. Dabei sehen wir viele Affen und Vögel. Wiederum müssen wir einige Bäche durchqueren. Nasse Füsse, das kannten wir bereits von gestern...

Eine Auswahl für Vogelfreunde: Ein Tinamou...
...ein Jacamar (Rotschwanz-Glanzvogel)...
...und ein Trogon

Den Nachmittag verbringen wir vorne am Meer. Hier liegt das Mündungsgebiet des Rio Sirena. Hungrige Bull- und Hammerhaie warten in dieser Mischwasserzone von Salz- und Süsswasser auf Nahrung, welche durch den Fluss herangetragen wird. Und schon bald entdecken wir die ersten Rückenflossen, welche aus dem Wasser auftauchen...

Neben dem Weissen- und dem Tiger-Hai der wohl gefährlichste Haifisch...
...der bis zu 3.5 m lange Bullenhai

Auf dem Rückweg machen wir eine weitere, eindrückliche Entdeckung. Ein Tapir hat sich in ein Schlammbad gelegt. Wir beobachten es etwa zehn Minuten lang. Der Tapir, ein verwandter des Nashorns, ist eigentlich Nachtaktiv und gibt sich zu Tage entsprechend träge. Nachdem er unsere Anwesenheit bemerkt hat, erhebt er sich langsam und verschwindet mit lautlosen Schritten im Dickicht.

Ein Tapir suhlt sich in einem Sumpfbad..
...während er von einem Krabbenbussard beobachtet wird.

Am Abend gehen René und Aider auf eine Nachtwanderung. Mit zwei Taschenlampen begeben wir uns für etwa eine Stunde in den Dschungel. Dabei hören wir in nächster Nähe ein grösseres Tier. Als das Geräusch leiser wird sind wir auf eine gewisse Weise beruhigt...! Ansonsten sehen wir eine Vogelspinne, die gerade eine grosse Blattheuschrecke verspeist, einige Nachtvögel, Fledermäuse und schöne Krebse, welche sich in hellem Blau wie leuchtende Lämpchen durch kleine Bäche bewegen. Die Geräuschkulisse in der Nacht ist schlicht imposant.

Montag, 10.11.2003

Heute verlassen wir die Biologische Station wieder und begeben uns entlang des Strandes aus dem Corcovado Park. Dieser Rückweg ist mit etwa 18 km etwas kürzer. Die Sonne brennt dafür unerbittlich von oben herab und da ein grosser Teil der Wanderung über Strände führt, sinkt man mit den Füssen ständig ein, was viel Energie kostet.

Faszinierender Strand
René, Aider und Carole bei einer kurzen Pause

Auf diesem Rückweg sehen wir sämtliche vier Affenarten, die es in Costa Rica gibt. Den Glanzpunkt setzt dabei die Begegnung mit den äusserst seltenen Totenkopfäffchen. Diese sehr scheuen Tierchen bekommt man heute nur noch äusserst selten zu Gesicht.

Sehr selten: das Totenkopfäffchen
etwas häufiger und wesentlich lauter: Ein Brüllaffe

Etwa zur Hälfte der Strecke erreichen wir eine Höhle. Im Innern sehen wir Schwärme von Fledermäusen an der Decke hängen.

Später treffen wir auch noch auf hellrote Aras (Arakangas). Man könnte diesen Tieren stundenlang zusehen. Mit viel Geschick und Akrobatik kämpfen sie sich auf abgelegene Äste vor, um Früchte zu ergattern oder liebkosen sich gegenseitig. Wenn man diese Majestätischen Vögel dann auch noch fliegen sieht empfindet man einen gewissen Ekel gegenüber Menschen, welche diese freiheitsliebenden Tiere in viel zu kleinen Käfigen gefangen halten.

Ein Arakanga beobachtet uns aus sicherer Entfernung
Ein Arakanga-Pärchen im Flug

Die letzten drei Kilometer der Wanderung gehen gehörig an die Kondition. Es ist brütend heiss und der nicht minder heisse Sand lässt einem unnachgiebig einsinken.

So sind wir froh, das Sammeltaxi zu erreichen, welches uns in einer dreistündigen Fahrt nach Puerto Jemenez bringt, von wo uns ein deutscher Taxifahrer zurück zur Suital Lodge führt. Unterwegs, in La Palma, verabschieden wir uns von Aider. Mit ihm haben wir einen liebenswerten Menschen kennen gelernt.

Dienstag, 11.11.2003

Dieser Tag steht im Zeichen der Erholung. Am Nachmittag wir René noch einen Abstecher in den nahegelegenen Regenwald unternehmen. Da der Wald seinem Namen alle Ehre macht, kommt René schon bald völlig durchnässt zurück zum Häuschen...

Am Abend gehen wir etwas um unsere Lodge herum, um Insekten aufzuspüren...

Ein schöner Nachtfalter...
...eine riesige Gottesanbeterin...
...und ein grosser Skorpion